Montag, Februar 27, 2017

eingestreut (1053): karl blau (tour)


auf seiner neuesten runde durch europa kickt karl blau auch drei deutsche orte, nehmt die chance wahr, diesen unglaublichen kerl kennenzulernen. er ist nicht nur ein erstaunlicher musiker, sondern ein kluger dazu. neulich las ich seine philosophie über das lernen aus fehlern, in der er beschrieb, dass es für einen gestandenen musiker nicht ganz so einfach sei, sich einzugestehen, wenn mal etwas in die hose ging. dabei sei das zunächst formell falsch zueinander stehende vor allem eines, eine chance, sich auf neue wege zu begeben, neues zu entdecken, zu gestalten. wenn so etwas geschieht, hockt sich blau in die mitte des geschehens und betrachtet, was im inneren des sturms passiert. zudem berichtete er über tori kudo, einen japanischen musiker, der die schlüsselstelle zwischen der komponierten und schließlich aufgeführten musik definiert. vielleicht wird karl davon erzählen. oder von seiner liebe, durch die plattenläden fremder städte zu streifen, immer auf der suche nach ganz besonderen stücken.

02.03. berlin, privatclub
03.03. schorndorf, club manufaktur
04.03. münchen, hauskonzerte

karl in münchen 2009: klick.


Sonntag, Februar 26, 2017

glotzt nicht so romantisch (778): howth


eine band mit einem streitbaren typen in der front, mit häufig wechselnden crewmitgliedern und denoch mit einem unverwechselbaren sound, mit einem irren charme, mit einer sämigen harmonienlehre, vor der man nicht gefeit ist. carl creighton und co. hatten wir hier ein ums andere mal am start, heute mit einem frischen video zu "leonardo", einem track, den Ihr auf der letzten howth songsammlung "trashy milky nothing town (it's about ninja turtles)" aus dem jahr 2015 findet: irgendwas mit liebe, wie immer.


Samstag, Februar 25, 2017

neue töne (1723): christiane rösinger


foto: doro tuch

schöne platte, die da christiane rösinger an den start brachte. ende februar wars, die frühjahrsdepression hing bereits vorbereitend überm balkongeländer. doch rösinger wird sie ignorieren, sie befreit sich ja gerade. erst die mutigen worte zum empfang von neuer energie, von neuen melodien, neuen worten und wenig später die erkenntnis, dass auch inspiration nicht ohne arbeit auskommen wird. sätze und sätze, die noch für die vergangenheit verschwendet werden, doch wir wissen längst, und hängen an ihren lippen, dass selbst das "schal"ste nicht ohnen zwinkernde augen auskommt. dabei bleibt der wortwitz, der blick hinter die kulissen dauerhaft präsent. leiden ist die voraussetzung für ernsthafte schaffenskraft. daran klammert sich die künstlerin und bietet teilhabe an.

ihre stimme hat einen ableitenden kick, sie hat ein zeitloses timbre und kann dennoch zugeordnet werden. sie spricht dieselbe sprache wie alle zuvor sprachlosen. die worte sprudeln, als hätten sie keine zeit, als würden sie alsbald vergessen. eingefasst in eine popmusikalische, antriebsimmanente soundkulisse etabliert sich das mitteldeutsche idion immer wieder neu, ohne sich bedrängend an den gegenüber kuscheln zu wollen. warum auch? hier äußert sich eine autarke persönlichkeit, die nicht weniger als der künstlerin drang an die öffentlichkeit zwingt. hören wir ihr zu!

über ein leben, das nicht leicht ist, über liebe, die nicht ohne leiden zu haben ist, über menschen, die man am liebsten meiden würde, wenn man nicht auf sie angewiesen sein würde. bei rösinger klingt das oft beiläufig und doch hängen die sätze nach, weil sie sich mit widerhaken an dich hängen.

"lieder ohne leiden" von christiane rösinger erschien am 24. februar auf staatsakt.

01.04.2017 Berlin, HAU1
04.04.2017 Hamburg , Uebel & Gefährlich
05.04.2017 Köln, Gebäude 9
06.04.2017 Frankfurt, Brotfabrik
07.04.2017 Schorndorf, Manufaktur
08.04.2017 CH-Zürich, Stall 6
09.04.2017 CH-St. Gallen, Palace
11.04.2017 AT-Wien, Brut
12.04.2017 München, Strom
13.04.2017 Leipzig, Werk 2


Freitag, Februar 24, 2017

eingestreut (1034): jon mckiel


photo: piotr filipek

weil wir gerade bei you've changed records waren (siehe gestrigen post), legen wir gleich noch das ycr-debüt von jon mckiel nach. es ist das bereits vierte album des jungen burschen aus nova scotia, das an der seite von jay crocker (of joyfultalk/no more shapes), sean dicey (joyfultalk) und aaron mangle (of cousins) entstand. die erste nummer "conduit" daraus ist ein wenig flach geschossenes rockzitat, das wahrlich lust macht auf mehr. die dynamik, die vitalität des ausdrucks, überhaupt der druck, die ernsthaftigkeit (ein friedenszeichen an die staaten) sind definitiv appetit anregend. "memorial ten count" wird der release heißen und am 10. märz erscheinen. natürlich gibt es diese veröffentlichung auch auf vinyl.

Donnerstag, Februar 23, 2017

neue töne (1722): richard laviolette


das wunderbare you've changed records wird nun auch ins neue jahr starten. die ersten releases befinden sich im lauf. unter anderem kann mitte märz das neue album von richard laviolette erwartet werden. wer sich ein wenig im programm von ycr auskennt, wird sein album "all of your raw materials" erinnern, das er mit the oil spills eingespielt hatte. der nachfolger wird "taking the long way home" heißen und sich mit offenen songs präsentieren, die sich kämpferisch gegenüber krankheit und tod geben und zugleich ein verweis sind auf den zusammenhalt bei freunden und in der familie. zunächst waren die aufnahmen als gemeinsames projekt von richard und seinem vater geplant. jedoch war letzterer gebunden, um seiner schwer erkrankten frau zur seite zu stehen. diese ausgangsposition sensibilisierte die gesamte nachfolgende vorgehensweise und bildete quasi den grundton für das album.

unterstützung fand der aus dem südwesten ontarios stammende in lisa bozikovic am piano, matthew reeves an der leadgitarre, jessy bell smith mit gesanglicher unterstützung, julia narveson (ever lovin’ jug band, lake of stew) an der fiddle und am double bass, aaron goldstein (cowboy junkies, bry webb, daniel romano) an der pedal steel, heather kirby (ohbijou, vag halen) am bass und aaron curtis an den drums.

mit dem titelsong gibt es einen ersten musikalischen verweis auf das album. es ist ein zurückgenommener stomp, es ist eine leidenschaftliche nummer, die sich in arrangement und in der gesanglichen darbietung nicht in den vordergrund gedrängt sieht, sondern den worten raum bietet, um an größe und blendkraft zu gewinnen. tolles stück!

Mittwoch, Februar 22, 2017

neue töne (1721): sarah davachi


photo by r. smith

die detailliebe, ja, die suche nach dem einen moment, für den man augenblicke vergehen lässt. augenblicke, aus denen sich notenlagen schälen, strukturen entstehen, sich wundersam töne verschieben, als wären sie dehnbare objekte. der drone ist dringlich, aber keineswegs bedrängend, er behängt das stück wie eine lamettagrundlage den weihnachsbaum. der aus montreal stammenden künstlerin gelingt einmal mehr, die pfade zum glück als wenig berechnend und doch einnehmend, einvernehmlich zu gestalten. über allem schwebt etwas, als würde das göttliche eingefangen. ätherisch, mancherorts pastoral. die synthesizer verweigern den gedankenzugriff, sie spiegeln vor eine orgel zu sein, streicher, stimmen. sie besetzen erinnerungen und spielen mit ihnen. wer die augen schließt, wird sich auf eine immer wieder neue reise begeben.
mit "all my circles run" bietet sarah davachi via students of decay ihr mittlerweile viertes full length auf und selten war sie dabei strebsamer und origineller, kühler und berechnend und zugleich voller seele und emapthie. die fünf tracks sind wie eine offenbarung, sie schließen einandern ein und stehen für sich wie eine jeweils geschlossene welt. die lp erschien bereits im letzten quartal 2016, einige exemplare sollten noch erhältlich sein.

"über sarah davachi brauche ich nicht weiter ausführen, denn alle wesentlichen details ihrer karriere verarbeitete ich in zwei notizen 2015. hier unter anderem die wichtigsten veröffentlichungen sowie angaben zum debütalbum "barons court", hier ausführungen zu kleineren releases mit aktuellem bezug."